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Warum Achtsamkeit in der Schule

Die Achtsamkeits-Forschung hat sich bislang auf den medizinischen Bereich konzentriert und hier beeindruckende Erfolge feststellen können. Menschen mit stressbedingten Erkrankungen, chronischen Schmerzen oder depressiven Stimmungen haben signifikante Verbesserung ihres Zustandes erfahren können und ihre Verhaltensmuster in positiver, heilsamer Weise verändern können.

Daraufhin wurde begonnen, die Achtsamkeitspraxis für den Einsatz in Bildung und Pädagogik in Schulen zu testen und es wurde festgestellt, dass Kinder, die an den Achtsamkeits-Programmen teilnehmen, offenbar aufmerksamer, gelassener und empathischer werder. Sie können sich bei Angst oder Wut schneller beruhigen, zum Beispiel bei Prüfungsangst oder Streit unter Freunden. Die Übung des achtsamen Essens hat übergewichtige Kinder darin unterstützt, ein gesünderes Essverhalten zu lernen. Diese wissenschaftlichen Ergebnisse aus der Achtsamkeits-Forschung sind so ermutigend, dass international zunehmend ein systematisches Training in Schulen und Kindergärten angeboten wird (Amerika, England, Holland, Dänemark u.a.).

Kindlicher Alltag und seine Folgen

Wieso nützt die Achtsamkeit Kindern? Der heutige Alltag ist stark von Ablenkungen gekennzeichnet. Auch als Erwachsener ist man oft von Außenreizen beeinflusst, Musik, Werbetafeln, elektronische Reklameschriften und Technologien umgeben einen permanent. Zudem laufen viele Prozesse sehr schnell ab, Eindrücke und Reaktionen folgen daher rasch aufeinander. Auch im kindlichen Alltag gibt es wenige reizfreie Pausen. Sie sind daher oft in automatischen Reaktionen auf diese äußerlichen Impulse gefangen.

Durch die Achtsamkeit lernen Kinder, dass sie eine Wahl haben, wie sie auf einen Reize von innen oder außen reagieren können. Sie lernen, dass sie Emotionen haben können und sie nicht verdrängen oder ausagieren müssen, sondern sie wahrnehmen und entsprechend regulieren können. Mit der Übung können ihre impulsiven Reaktionen immer häufiger zu achtsamen Antworten werden. Damit fühlen sie sich dann wohler, sicherer und authentischer.

Die Praxis der Achtsamkeit ist heutzutage insbesondere notwenig geworden, da die Kinder sehr viel mit ablenkenden Techniken wie Computern, Smartphones und Spielekonsolen umgehen. Zusätzlich empfinden sie Stress durch viele Freizeitaktivitäten und hohe Anforderungen in der Schule. Diese Aspekte verstärken das "außer sich sein". 

So kommt es, dass Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene nicht genügend Zeit mit sich verbringen – mit ihren Emotionen, ihren Körperempfindungen, ihrer Gedanken- und Gefühlswelt. Der fehlende Kontakt mit sich selbst lässt Menschen immer abhängiger von Außenreizen werden. Man reagiert auf jeden Impuls von außen, jeden Gedankenimpuls der aufkommt.

Kinder werden dadurch unkonzentriert, unausgeglichen und emotional instabil. Es fällt ihnen schwerer sich selbst zu regulieren und ihre Impulse zu kontrollieren. Sie haben dann Schwierigkeiten zur Ruhe zu kommen, Krankheiten, Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen treten auf.

„Für Kinder und Jugendliche, die ständig von einer Armada von Außenreizen, aber auch von inneren Leistungsanforderungen, Befürchtungen und Selbstzweifeln bestürmt werden, kann die Haltung der Achtsamkeit eine echte Hilfe zur Selbsthilfe sein.
Wenn also gerade ab dem zehnten, elften Lebensjahr mit der Entwicklung des Frontalhirns die Fähigkeit zur Selbstreflexion einhergeht, dann ist dies eine gute Zeit, die Schüler mit Übungen in Achtsamkeit bekannt zu machen. Hierbei erhalten sie Werkzeuge zur Selbstregulation. Wer als Fünftklässler mit einfachen Übungen gelernt hat, achtsam zu sein, in den Körper hineinzuspüren und sich von dem inneren Selbstgespräch zu distanzieren, ist für den Sturm der Pubertät und die Schwierigkeiten des Lebens besser gerüstet.“ 

Vera Kaltwasser (Gymnasialschul-Lehrerin, MBSR-Lehrerin, Autorin von „Achtsamkeit in der Schule“)

Achtsamkeitsübungen helfen 

  • sich zu entspannen und zu erholen  
  • Stress, Ängsten und Blockaden zu begegnen und sie abzubauen
  • Konzentrationsfähigkeit zu stärken
  • Gefühle zu verstehen und mit ihnen umzugehen 
  • Sich selbst besser wahrzunehmen und zu spüren
  • eigene Ziele zu setzen und umzusetzen
  • mehr Glück, Freude und Zufriedenheit zu erleben

(Formale) Achtsamkeitsübungen sehen so aus

Bei den ersten Übungen lernen die Kinder oft zunächst, sich für ein paar Minuten auf den Atem, auf den Körper oder auf Geräusche zu konzentrieren. Sie üben, immer wieder die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken und in Kontakt mit sich selbst zu sein – und sie merken, dass sich das gut anfühlen kann. Schritt für Schritt lernen sie, ihre Gedanken und Gefühle mit freundlicher Neugier und Offenheit zu beobachten. Das hilft ihnen dabei, überlegter zu handeln. „Die Schüler merken schnell, dass es bei dieser Arbeit um sie persönlich geht, dass sie betroffen sind, und sie sind oft überrascht, wie viel es da zu entdecken gibt.“ (Vera Kaltwasser)

Wie alle Lernvorgänge verändert dieses Training das Gehirn: z.B. werden durch die Übungen Areale im Gehirn verstärkt, die für die Impulskontrolle verantwortlich sind.

  • Man macht Übungen im Sitzen, Liegen und in der Bewegung.
  • Man übt achtsame Kommunikation und achtsam zu essen. 
  • Man lernt durch Fokussierung innere Ruhe, Akzeptanz und Stärke zu finden.
  • Man übt, sich nicht mehr von Gedanken an vorhin oder gleich ablenken zu lassen, sondern konzentriert bei dem zu sein, was gerade geschieht.
  • Man lernt, wie man den Atem als Ruhepol und Anker im stressigen Alltag nutzt.
  • Über den Austausch in der Klasse/Gruppe erfährt man, wie es den anderen geht, übt Empathie und Mitgefühl, lernt voneinander und unterstützt sich gegenseitig.

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